
Mit der „Wind King“ und „Wind Queen“ treten im Jahr 2026 zwei besonders innovative Serviceschiffe für den Offshore-Bereich in Dienst. Die „Windkeeper"-Baureihe wurde mit ihrem hybriden Antriebskonzept für eine maximale Energieeffizienz entwickelt. Sie kann ihre Energie direkt von der Offshore-Plattform beziehen und so monatelang auf See bleiben. Das gesamte Energiemanagement an Bord wird von Bachmann-M200-Automatisierungssystemen überwacht und gesteuert.
Die Offshore-Windindustrie steht vor der Aufgabe, Serviceeinsätze auf See effizienter und sicherer zu gestalten. Gefragt sind Schiffe, die auch unter schwierigen Bedingungen Kurs und Position präzise halten und so Personal und Material zuverlässig zu den Anlagen bringen. Mit dem Windkeeper hat die norwegische Reederei GC Rieber Shipping ein Service Operation Vessel (SOV) entwickelt, das genau dafür konzipiert ist: für den energieeffizienten, sicheren und wirtschaftlichen Betrieb von Offshore-Windparks.
Sicherer Transfer
Das Doppelrumpfkonzept des Schiffs, ein sogenanntes Small Waterplane Area Twin Hull (SWATH)-Design, reduziert die Wellenreaktion deutlich und sorgt auch bei rauer See für außergewöhnliche Stabilität und Steuerbarkeit. In Kombination mit dem dynamischen Positionierungssystem (DP) bleibt der Windkeeper selbst bei Wellenhöhen von bis zu vier Metern sicher auf Position. Das ermöglicht einen geschützten und komfortablen Personentransfer über die bis zu 30 Meter ausfahrbare Gangway – und das auch unter anspruchsvollsten Bedingungen.
Redundanz ist oberste Pflicht
Die außergewöhnliche Konstruktion des Windkeeper stellt jedoch höchste Anforderungen an die Energiearchitektur. Um die komplexe Energiesystem-Topologie mit ihren zahlreichen Redundanzzonen zu realisieren, beauftragte GC Rieber Shipping die in Bergen ansässige Norwegian Electric Systems (NES), einen der führenden Systemintegratoren für maßgeschneiderte AC/DC-Energienetze und Antriebssysteme im maritimen Bereich.
Trotz der hohen Komplexität des Energiesystems konnten Größe, Gewicht und Anordnung der zahlreichen Schalteinheiten im Vergleich zu konventionellen Systemen reduziert und optimiert werden.
Intelligente Stromverteilung
Das Herzstück der Energieinfrastruktur bilden die „Quadro Master“-DC-Schalttafeln und das „Odin’s Eye“-Gleichstromnetzsystem von NES. „Sie sorgen als Energiezentrale dafür, dass die Energie zuverlässig zu jedem Teil des Schiffes fließt, vom Antrieb bis zu den kritischen Geräten an Bord“, erklärt der NES-Ingenieur. Im Zentrum steht dabei ein vollständig gedoppeltes, ringbasiertes DC-Stromversorgungssystem, das mehrere Redundanzgruppen und Batterien umfasst. „Außer der Möglichkeit des vollständig elektrischen Betriebs stellen die Energiespeicher verlässliche Leistungsreserven bereit, gleichen Lasten durch Peak Shaving aus und ermöglichen reibungslose Energieübergänge bei dynamischem Betrieb“, präzisiert Andreas Solheim. „Insgesamt führt dies zu erkennbar niedrigeren Betriebskosten und Emissionen.“
Zuverlässigkeit und gelebte Partnerschaft
Um die hohen Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit zu erfüllen, setzt NES seit über zehn Jahren auf Steuerungslösungen von Bachmann electronic. Auch im Windkeeper bilden sie das Rückgrat des Energiemanagements: Nicht weniger als 33 Steuerungssysteme der M200-Serie sind an Bord verbaut. „Wir schätzen nicht nur die Offenheit des Systems, sondern vor allem die außergewöhnlichen Möglichkeiten zur Netzüberwachung und zum Schutz“, erklärt Andreas Solheim. Die direkt auf der Steuerung integrierten Netzmess- und Schutzsysteme der GMP- und GSP-Reihe seien einzigartig am Markt: „Vergleichbar leistungsfähige und zugleich zertifizierte Komponenten sucht man sonst vergeblich.“
Einzigartige Netzmodule
Das GMP232/x2 ermöglicht die sichere, zuverlässige und schnelle Messung aller relevanten Größen elektrischer Drehstromnetze. Darüber hinaus stehen zahlreiche Überwachungsfunktionen für den Schutz von Erzeugungseinheiten und Netz zur Verfügung.
Das GSP274-Modul ermöglicht eine sichere, zuverlässige und automatisierte Synchronisierung von Erzeugungseinheiten mit dem Energieversorgungsnetz. Zudem stehen zahlreiche Überwachungsfunktionen für den Generator- und Netzschutz zur Verfügung.
Engineering mit Rückendeckung
Rund ein Jahr arbeitete das NES-Team an der Entwicklung des komplexen Energiesystems. Besonders bei der Umsetzung der steuerungstechnischen Anforderungen erwies sich Bachmann als verlässlicher Partner. „Wenn wir eine Frage hatten oder eine spezielle Funktion implementieren wollten, konnten wir uns jederzeit auf die Unterstützung der Applikationsingenieure verlassen“, erinnert sich Solheim. „Die Zusammenarbeit war äußerst effizient – kurze Wege, direkte Antworten und ein offener Austausch, durch den wir unsere Lösung kontinuierlich weiterentwickeln konnten.“





